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das problem : dass wir uns nichts besseres vorstellen können dass es zwar nicht gut aber trotzdem ganz ok wahrscheinlich oder zumindest nicht vollkatastrophe und wenn auch nicht perfekt so grundsätzlich wohl nicht falsch und das was falsch laufe doch alles korrigiert werden könne ich meine kritik soll doch konstruktiv sein muss doch zu was führen und pragmatismus ist das beste was uns passieren kann etc dass also das schlimmste sei der mangel an vorstellungskraft der mangel an einbildungsfähigkeit an wille und imagination an verstandeskraft als fähigkeit der irratio an fähigkeit zur begeisterung zu esprit

geist begeisterung esprit spiritualität als eine form des möglichen eine form nicht reellen handelns eines antriebs der aus der ferne in das reale eingreift spiritualität nicht als religiosität und geistlichkeit und institution sondern als einen anderen weiten begriff von fiktion emotion oder sinnlichkeit also eine dem rein vernünftigen zählenden berechnenden der als aufklärung bezeichneten westlichen pragmatisch ideologischen gegenwart sich widersetzenden und maximal negierenden begriff

die revolution die es auf den weg zu bringen gilt ist eine spirituelle

sagt wer

eine der fiktion und utopie in europa finden wir keine spiritualität hier ist alles von materialität überwuchert und zubetoniert die beherrschende sprache ist die des kassenzettels

die hiesige literatur ist eine rein bebildernde des unaufgeräumten alltags konkretion und sachlichkeit unfantastische nacherzählung des vorhandenen

spiritualität ist fiktion diese gilt es einzufordern und dafür räume zu schaffen sprachlichkeit die sich nicht auflöst wie ein kinderrätsel poesie als verschlüsselte realität die sich decodieren lässt oder eine mathematische gleichung mit ein paar unbekannten doch fiktion ist waffe spiritualität ist widerspruch ohne sich in die vereinnahmende kolonialisierende religionszugehörigkeit und sprachlichkeit zu begeben fiktion ist keine esoterik und kein glaube fiktion ist ebenso dada wie utopie

politische nationale geistlosigkeiten (brexit! es gibt wetter aber kein klima! alles leugnen! kritiker bedrohen! make racism great again etc) könnten der fiktion die türen öffnen (deine familie stirbt meine familie stirbt komm wir trauern gemeinsam) stattdessen würgen sich alle beteiligten und streitberauscht wähnen sie sich im recht und jegliche sachlichkeit ist von vornherein farce als gelte es allein sich selbst zu verteidigen stammesfehden mit archaischer unversöhnlichkeit und unheroischer lächerlichkeit etc etc etc

unsachliche doch ebenso geistlose zeiten in den zeitungen buchhandlungen regieren ratgeber so geht es richtig und erfahrungsberichte so wars bei mir zu viel mehr fehlt fantasie und weitsicht wir sind in der gegenwart gefangen starren sie angstvoll lustlos an kalt und müde realismus und magie nur mit weitausholendem zauberklimbim dies sind sie also die hundert jahre einsamkeit

an hamlet ist vor allem die anwesenheit des geistes zu mögen ohne ihn geschähe nichts oder nur pragmatischer realismus hamlet ist zutiefst unrealistisch

es ist eine realistische gegenwart die eine zutiefst realistische literatur hervorbringt keine mythen und märchen die finden im überwältigungskino statt der realismus dieser zeit besteht darin diese erzählwelten maximal zu trennen literatur ist eine vorrangig inhaltliche angelegenheit dieser oder jener oder ein sonstiger roman das reale ist grundsätzlich nichts falsches doch ist nichts falsches eben auch ängstlich zögerlich jetzt und pragmatissch literatur in der rolle als kommentar zu allen möglichen gegenwärtigen dingen hier und heute der roman zur debatte sprache bleibt informationsträger des inhalts eine tüte mehr nicht ein bisschen hübsch und sonst wenig störend warum sollte man das lesen welchen erkenntniswert hat eine solche literatur jenseits der rein inhaltlichen daseinsberechtigung

dabei weiß man doch dass nur als ästhetisches phänomen das dasein der welt gerechtfertigt ist oder nicht das gilt nach wie vor ästhetik ist sprache ist esprit und utopie nicht eitelkeit sondern unrealistisch

das utopische in der literatur ist nicht der inhalt es ist ihre gestalt es ist die skeptische sprache die skepsis gegenüber der debattenfähigkeit von gedichten geistlosen zeiten wie diesen muss man sich nicht andienen die utopie ist keine science fiction und kein gegenentwurf zum bestehenden das utopische ist hoffnung

wer immer hofft stirbt singend

in einem salzkorn zwischen den fugen von gehwegplatten hat sich eine spiegelung des fests erhalten ein echo im september ein verblassendes diapositiv salz gerieben von der brezel und die krümel aufgepickt von vögeln wie sie da sitzen auf der überlandleitung durch die die gegenwart rauscht surrt flieht das utopische hat zeit hat poesie ist utopisch

– was tust du um die welt zu einem besseren ort zu machen
– ich will keinen besseren ort ich will einen guten ort
– und was tust du dafür ich spende für elefanten und gegen krebs
– ich schreibe geschichten
– man soll doch etwas sinnvolles tun
– sind geschichten nicht sinnvoll
– sie sind unpraktisch
– absolut
– was tust du noch
– ich arbeite mit migranten integration und so
– das halte ich für sinnvoll
– es ist bürokratisch
– ist aber nützlich
– ist zumeist beherrschung von papier und technik
– das braucht man zum funktionieren
– ja es muss vllt funktionieren wirtschaft muss funktionieren auch ampeln und bahnhofsanzeigen und organe und betriebssysteme menschen nicht
– es braucht reformen
– gehoffte verbesserungen ich möchte einen guten ort
– den gibt es nicht
– ich weiß deswegen schreibe ich geschichten

schön blöd

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